Herrenmode: Vom Neandertaler zur Stilikone

Ob der Steinzeitmann Sinn für Mode hatte, wissen wir nicht. In Europa wie anderswo wurde Herrenmode von zur Verfügung stehenden Ressourcen, vom Lebensstil, den klimatischen Bedingungen, den Besitzverhältnissen oder dem Zeitgeschmack beeinflusst. Auch die Gesellschaftsform oder Religion nahm Einfluss auf das, was man trug. Modische Eskapaden konnten sich nur die höheren Stände leisten. Die niedrigeren mussten sich mit arbeitstauglicher Kleidung begnügen. Bestenfalls besaß man eine saubere Hose für Sonn- und Feiertage.

Herrenmoden und ihre gesellschaftliche Bedeutung

Zu Beginn der Modeentwicklung markierte man seine gesellschaftliche Bedeutung mit besseren und längeren Fellen, heute mit einem Armani-Anzug. Schon in der Jungsteinzeit färbte man Felle ein. Der Mann trug bis in die Bronzezeit einen halblangen Wickelrock mit Umhang, dazu Mütze und Bundschuhe. Bereits in der Antike achtete man auf den Faltenwurf seiner Toga und zeigte deutliches Modebewusstsein. Römer und Griechen beeinflussten sich gegenseitig. An der Kleidung konnte man den gesellschaftlichen Rang erkennen. Die Kennzeichnung des gesellschaftlichen Standes war Gegenstand von Kleiderordnungen, die sich ab dem 8. Jahrhundert etablierten. Der Mann trug, was seinem Stand entsprach. Als Bauer hatte man unauffällige, grobe Materialien zu tragen. Die herrschende Schicht durfte sich in Tuch, Samt, bestickte Seide oder Brokat hüllen. Die Zunft der Schneider ermöglichte ab Ende des 11. Jahrhunderts individuelle Extravaganzen und Maßanfertigungen. In der Zeit der Ritter konterkarierte man das Grauen der Schlachtfelder mit verfeinerten Herrenmoden. Erstmals gab es auf die Figur zugeschnittene Kleidung. Im Frankreich des 14. Jahrhunderts zeigten Männer bei Hofe eine Prachtentfaltung, die der französisch-burgundischen Modedominanz entsprang. Es durfte geprotzt werden. Italienische Mode dominierte das 15. und 16. Jahrhundert. Mit der Renaissance wurde auch ein moderneres Menschenbild geprägt. Während man anfangs schlanke Schnitte trug, wurden bald üppige Faltenwürfe wichtig. Sie machten die Männer imposanter. In der Reformationszeit kleidete sich der Mann von Welt in Wams oder Faltrock mit Hemd, Strumpf- oder Kniehose, denen eine unübersehbare Schamkapsel beigefügt wurde. Durch Schlitze konnte man das kontrastfarbene Hosen- und Jackenfutter sehen. Nur Gelehrten stand die Farbe Rot zu. Theologen oder Anwälte durften Schwarz tragen.

heutige Dresscodes in der Mode für Herren

Der Weg zu heutigen Dresscodes, zu Businessmode, Funktions- oder Sportmode oder trendigen männlichen Freizeitbekleidungen ist lang gewesen. Schaut man die Männermoden der vergangenen Jahrhunderte an, sind wir heute vergleichsweise bieder geworden. Wir sind modisch aber auch flexibler. Abgesehen von vorgeschriebener Sicherheits- oder Berufskleidung und gewissen Dresscodes darf der Mann tragen, was er mag. Nur Frauenkleidung ist an ihm nicht so gerne gesehen. Cross-Dressing vertuscht die Geschlechtszugehörigkeit, obwohl Modezaren wie Lagerfeld gelegentlich provokativ Männer in Röcken auf den Laufsteg schicken. Als Schotte darf man einen Kilt tragen, als Deutscher fiele man unangenehm auf. Hip-Hop-Klamotten sind in Bankerkreisen ebenso tabu wie Trachten- oder Retro-Look. Auch wenn der Mann im Anzug mit Schlips und Weste immer noch stilgerecht angezogen ist, erfreut er sich heute größerer modischer Freiheiten. Casual Look, eigene Herrendüfte und Herrenschmuck sind längst Normalität. In neuerer Zeit trägt man unter dem Businessanzug sogar Piercings und Tattoos. Männliche Luxusmode ist oft erstaunlich unauffällig. Geprotzt wird nur noch bei Männern ohne Stil. Turnschuhe zum Anzug machten "Die Grünen" auf einen Schlag berühmt. Stilbrüche wie dieser sind heute sogar erlaubt.

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